Montag, 7. März 2011

Donnerstag, 3. März 2011

Enzo hat eine Maus gefangen und bringt sie mit ins Haus








Enzo stellt vor, die schöne Arischa, ihre Freunde und alles was ihr gefällt














Als Geschichtenerzähler Enzo noch ein verspielter kleiner Kater war






Katzenfreundschaft






Enzo erzählt von Luigis abenteuerlichem Weg ins Natur- und Katzenhaus



Luigi ist ein Kater, wie ich. Er ist nur viel älter und rot getigert mit weißer Schwanzspitze.
Es geschah vor langer Zeit, da wurden drei kleine Kätzchen in einem Haus geboren, in dem eine Familie mit großen persönlichen Problemen wohnte. Das bedeutete, sie zankten und  schrien den ganzen Tag und ab und zu schubsten und schlugen sie sich. Das war nicht nur für die Kinder furchtbar, die Katzen litten auch und so machten sie sich auf den Weg ein neues zu Hause zu finden. Zu dritt marschierten sie los und schon nach kurzer Zeit fanden die beiden langhaarigen wunderschönen  Mädchen eine Ruhe und Zuwendung versprechende Unterkunft. Katerchen  war zu scheu sich den Menschen zu nähern.  Durch einen Fußtritt seines ewig schreienden ausrastenden  Futtergebers war sein Kiefer gebrochen, das Fressen beschwerlich und er konnte sein Maul nicht ganz schließen. Es schmerzte. Kam ein Mensch in seine Nähe, geriet er in Panik und seine Augen sprachen von der Angst vor weiteren Schlägen und Tritten. So wanderte er aus der kleinen Stadt hinaus. Es war Sommer und der Tisch für einen hungrigen Kater in der Feldflur reich gedeckt. Regnete es, fand er in einer kleinen Scheune Unterschlupf, in der schon  andere heimatlose Katzen gestrandet waren und ein freundlicher Mann täglich eine große Schale mit Milch füllte.  Es wurde Oktober, der erste kalte Wind strich über abgeerntete Felder. Katerchen war nun fünf Monate alt und ihm war anzusehen, wie groß und stark er einmal werden würde. In der Hierarchie der Scheunenkatzen stand er noch auf der untersten Ebene, aber das störte ihn nicht. Er dachte nie daran die Scheune und seine Kumpel zu verlassen. Aber es kam anders.
Nicht weit von der Scheune entfernt führte ein Spazierweg vorbei, der täglich von vielen Menschen genutzt wurde, ihre Hunde auszuführen. Die meisten fuhren mit dem Auto vor, öffneten die Tür, ihr Hund sprang heraus und rannte im Sauseschritt am Straßenrand entlang und der Mensch fuhr langsam mit dem Auto hinter ihm her. Hier und da gab es auch Menschen die sich darüber freuten mit ihrem Hund zu rennen, zu toben, Stöcke zu werfen und einfach gemeinsam Spaß zu haben. Und das ist die Stelle an der Katerchens Leben sich ändern sollte.
Luise ging mit ihrem kleinen schon etwas älteren, keiner Rasse zugehörenden mit Katzen und Vögeln aufgewachsenen Hund, einfach ein rundherum netter intelligenter schwarzhaariger Herr mit Namen Blacky, den Weg entlang. Sie nahmen sich viel Zeit. Wie jeden Morgen lief ihre  kleine Katze  Flecki hinter ihnen her, während die alten Kater zu Hause blieben und die Ruhe vor der allzu lebendigen Gefährtin genossen.
Es war ein herrlicher Herbsttag, Sonnenschein verwöhnte die Erde und ihre Bewohner und so liefe das Trio fröhlich immer weiter, bis sie den Bereich der eingezäunten Steinbrüche erreicht hatten.   
Was war das? Blacky spitzte die Ohren, Flecki wurde unruhig und versuchte einen Weg über, unter oder durch den Zaun zu finden und Luise nahm ein klägliches Miauen wahr. Sie war eine tatkräftige Frau, zögerte nicht lange, bat die Tiere am Zaun stehen zu bleiben und kletterte kurz entschlossen darüber. Am Rand des Steinbruchs stehend überschaute sie schnell die Situation, in die sich das kleine rote Katerchen gebracht hatte. Wahrscheinlich auf der Kaninchenjagd war er in den Steinbruch gerutscht, auf einem kleinen Vorsprung zum Stehen gekommen und nun wusste er nicht weiter. Zum Heraufklettern war die Wand zu steil und in die Tiefe wollte er auf keinen Fall. Wusste er doch nicht, dass es an anderer Stelle sogar Wege gab, die den LKWs ermöglichten den Steinbruch zu befahren. Luise sprach beruhigend auf ihn ein. Sie ahnte nicht, dass er keinem Menschen vertraute. Was konnte sie unternehmen, um den kleinen Kerl zu retten. Erst einmal bat sie ihn durchzuhalten. Sie würde ganz bestimmt zurückkommen und ihn aus dieser Falle befreien. Katerchen glaubte nichts, aber die Tiere am Zaun signalisierten ihm Zuversicht.
Bereits am frühen  Nachmittag hatte Luise all die Dinge organisiert, mit deren Hilfe sie glaubte Katerchen zu retten und sie belud ihr Auto mit Seil, Futter und einer Katzenfalle aus dem Tierheim. Ein netter Nachbar, zum Glück war er schon im Ruhestand, unterstützte sie bei der Aktion und wie sich jeder denken kann, sie hatte Erfolg.
Wir wissen nicht wie lange Katerchen schon auf dem Vorsprung saß, das hatte er vor lauter Schreck selber vergessen und auch in späteren Jahren in Gesprächen mit uns jungen Katzen fiel ihm das nicht mehr ein.
Für uns ist nur wichtig, dass er die Falle betrat, die Luise mit Hilfe des Nachbarn und der Seile auf den Vorsprung herunter ließ. Er hatte so viel Hunger, dass er all sein Misstrauen beim Duft der Köstlichkeiten, die da vor ihm ausgebreitet waren, unterdrückte. Er saß in der Falle, wurde hochgezogen, starb fast vor Angst und beim Versuch ihn aus der Falle in einen Katzenkorb zu setzen biss, kratzte und fauchte er so heftig, dass Luise schnell die Falle schloss und ihn darin sitzen ließ.
Am Abend erwartete sie Gäste. Ihr könnt euch sicher denken, wer das war. Als Renate mit ihrem Mann eintraf hatte Katerchen sich immer noch nicht beruhigt, saß verschüchtert in einer Ecke des langen Käfigs und fraß nun auch nicht mehr. Die beiden sprachen mit ihm, bewunderten seine Schönheit, sein kuscheliges Fell und Katerchen spürte ihr Entsetzen über seinen gebrochenen Kiefer.
Im Laufe des Abends kam das Gespräch immer wieder auf  Luises Rettungsaktion zurück und traurig stellte sie fest, ich kann Katerchen nicht behalten. Ihr Mann war allergisch gegen rote Katzenhaare. Renates Mann winkte ab, wir haben mit unseren Tieren genug. Sie blieb still und Luise wollte am nächsten Morgen Katerchen schweren Herzens samt Falle ins Tierheim bringen. 
Auch das kam anders. Im Tierheim war die  Katzenseuche ausgebrochen und die Leiterin befürchtete, dass unser Katerchen zu wenig Widerstandskraft habe und sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen anstecken würde. Ob Luise ihn nicht behalten könnte, bis die Seuche unter Kontrolle gebracht wäre und Katerchen wieder aufgepäppelt sei. Und so stand wenig später die ratlose Luise vor Renates Haustür, Katerchen inzwischen mit Hilfe der erfahrenen Tierheim-Mitarbeiter und dicken Handschuhen  in einen Katzenkorb umgesetzt.
Warum soll ich es lange ausschmücken, Luigi zog zu Renate und ihrer Familie und der restlichen Katzenbande ein.
Der Beginn ihrer gemeinsamen Zeit begann mit Aufregungen. Beim ersten Versuch den Korb zu öffnen verschwand Katerchen. „Nicht aufzufinden“ war der Kommentar der Familienmitglieder und Freunde der Kinder, die sich alle an der Suche beteiligt hatten. Renate glaubte nicht dass ihr Schützling weit weg gelaufen sei und bat die anderen im Haus zu bleiben. Und sie täuschte sich nicht. Im Garten stand ein zweckentfremdeter Hühnerstall und dort im aufgestapelten Holz saß er, zog sich bei Renates Näherkommen sofort in einen Hohlraum zurück. Aber sie hatte ihn entdeckt und war beruhigt. Er war klug. Er würde die ihm in seiner neuen Familie gebotenen Annehmlichkeiten beim Anblick der anderen Katzen schon erkannt haben.
Eine ganze Woche verbrachte Katerchen in dem Holzstapel. Renate stellte ihm das Futter hin. Er fraß, wenn sie wieder im Haus war. Nachts freundete er sich mit den anderen Katzen an, erfuhr einiges über seine neuen Futtergeber und streckte nach einigen Tagen bereits erwartungsvoll seinen Kopf aus dem Holzstapel hervor und zeigte seine Freude über das ihm so liebevoll zusammengestellte Futter. Und dann, an einem Sonntagmorgen, die Familie hatte länger geschlafen, die Katzen saßen erwartungsvoll in der Küche und hofften, der Tag würde endlich beginnen, öffnete sich ganz langsam und leise die Katzenklappe und Katerchens Gesicht erschien. Von der Katzenbande herzlich willkommen geheißen setzte er sich mit ihnen in die Runde und als Renate die Küche betrat sah es so aus, als wäre er immer schon bei ihnen gewesen.  Sein Leben lang blieb Katerchen misstrauisch und vorsichtig, aber der  Familie gehörte sein Vertrauen.
Natürlich dauerte es eine Weile bis er sich rundherum in seiner neuen Familie mit all ihren Stärken und Schwäche wohl fühlte und sein Misstrauen ganz ablegte. Da war der Schlagzeug spielende Sohn, der auch noch dem Klavier und der Gitarre für Katzenohren viel zu laute Geräusche entlockte. Aber da auch Oma, Opa und ihr Hund Nicky immer wieder betonten, sie fänden es schön,  wenn die Jugend musiziert und sie mussten schließlich auch dieses Getöse über sich ergehen lassen,  lernte er, seine Ohren zuzuklappen und den Lärm an sich vorbei ziehen zu lassen. Das war beim Gekicher und Geschnatter der Freundinnen der Tochter oft schwieriger. Schließlich wollte er schon wissen, worüber sie sprachen, auch wenn die Tonlage oft schwierig zu ertragen war, für ihn als Kater.
Es wurde Februar. Renate lief schon den ganzen Tag aufgedreht durchs Haus und die Katzen glaubten, der den ganzen Tag vom Himmel fallende Schnee wäre Schuld daran. Das konnten sie verstehen. Sie selber rannten immer wieder Schneeflocken haschend durch den Garten, verfolgten ihre eigene Spur  und tobten über den zugefrorenen Teich. Nur um sich aufzuwärmen gingen sie ins Haus, schliefen einen kurzen Schlaf und rannten wieder hinaus. Das Lieblingsspiel, und das sollte auch in schneefreien Tagen lange so bleiben, war
“Bäume wechseln“. Das lernte ich leider nicht mehr kennen, weil einer der dafür unbedingt gebrauchten Bäume diesem furchtbaren Sturm in einem Januar vor meiner Geburt zum Opfer fiel. Aber die anderen haben mir erzählt, wie viel Spaß es gemacht hatte den Walnussbaum heraufzuklettern, oben angekommen zu warten bis eine andere Katze in der Blumenesche saß,  um dann gleichzeitig loszurennen, in der Mitte des Rasens sich zuzublinzeln und blitzartig den anderen Baum hochzuklettern. Bis zum Umfallen wurde diese Spiel gespielt und die Katzen freuten sich immer wieder über die bewundernden Ausrufe der Familie.
Schon seit dem frühen Nachmittag durfte Katerchen, der jetzt Luigi hieß, nicht mitspielen. Er wurde in einem der wenigen Zimmern im Haus festgehalten, aus dem man als Katze ohne menschliche Hilfe nicht heraus kam. Gemein, sagten alle. Zu früh vertraut, dachte Luigi.
Es war schon dunkel. Nicky wurde zusammen mit Luigi ins Auto gesetzt und Renate fuhr mit ihnen davon und am allerschlimmsten war, sie kam ohne die beiden  zurück.
Später klärte sich natürlich alles auf. Renate fuhr am selben Abend noch einmal davon. Diesmal blieb sie viel länger weg und die Erleichterung der Katzen war groß als sie ihre Kumpel begrüßen konnten, die beide sehr eigenartig durch den Raum torkelten. Für Alkohol verabscheuende Wesen ein eigenartiges Verhalten. Nicky wurde freudig von Oma und Opa in Empfang genommen, und der für eine Katze ungewöhnlich nasse Luigi fiel auf seinen Lieblingsschlafplatz auf Renates Kuscheldecke und schlief auch sofort ein.
Was war mit ihnen geschehen? Auch hier ist die Erklärung wieder sehr einfach. Renate war mit ihnen beim Tierarzt und sie sind kastriert worden. Kaum aus der Narkose wach keimte Luigis altes Misstrauen wieder auf und er nahm die erste sich bietende Gelegenheit wahr davonzurennen. Und Renate rannte hinterher, sozusagen über Stock und Stein. Sie umrundete Hecken, Zäune, betrat fremde Gärten, immer Luigis weiße Schwanzspitze im Auge, der einzige Anhaltspunkt in der Dunkelheit, der Gefahr lief, sich im Schnee zu verlieren. Sie stand erschöpft und mutlos in einem Hauseingang, hatte gerade ein Holzlager umrundet, in der Annahme, Luigi hätte sich dahinter verborgen und nun fand sie ihn nicht mehr. Sie dachte an Nicky, der im kalten Auto lag und bestimmt fror. Da entdeckte sie in einer offenstehenden Garage wieder die weiße Schwanzspitze. Vorsichtig näherte sie sich dem Ausreißer, sah ihm fest in die Augen, sprach leise, beruhigende Worte, erzählte von den zu erwartenden schönen gemeinsamen Tagen und Luigi blieb stehen, erwiderte ihren Blick und ließ sich auf den Arm nehmen und widerstandslos zum Auto tragen und würde nie mehr Misstrauen gegenüber seiner Familie empfinden.
Im Oktober als unsere kleine Kitty starb, Luigis langjährige Freundin und Begleiterin in glücklichen Stunden, verlor er seine Lebensfreude und sein Kumpel Carlito, der beste aller Baumstürmer, konnte ihn nicht trösten. Luigi glaubt, wir Jungen hätten jetzt alles von ihm gelernt, was zu lernen ist und er will zu Kitty und all den anderen, die ihn in seinem Leben begleitet haben, ins Regenbogenland und er steht schon auf der Brücke, sieht Kitty und die anderen winken und sieht dann uns mit großen Augen an, lässt es zu, dass wir ihm zärtlich mit der Zunge über den Kopf streichen und wir sagen ihm, geh nur Luigi, geh ganz ruhig und warte auf uns, eines Tages kommen wir auch und bis dahin werden wir noch viel Erleben, Spaß haben und lachen, aber wir werden dich nie vergessen.






Chaos am Teich







Kater Enzo , der Geschichtenerzähler, hat das Wort


Vom Geschichtenerzähler Enzo und einem sonnigen September


Es ist Nacht, der Katzen schönste Zeit. An ganz normalen Tagen bin ich mit der  Katzenbande zu dieser Stunde schon im Dunkel verschwunden. Die Dächer der umliegenden Häuser,  Büsche, Bäume, Gartenhäuser, Keller und ein alter Hühnerstall laden ein zu tausendundeinem Abenteuer. Irgendwann aber haben wir genug Mäuse gefangen, Nachtfalter gejagt und den Kröten hinter her gesehen, die Alten eher, die Kleinen etwas später. Schließlich besitzen sie noch die Ausdauer der Jugend. Und dann wird es auch schon Zeit für den nächtlichen Diskussionskreis. Hintereinander huschen alle Katzen des weiteren Umfeldes in Renates zum Geräteschuppen umgestalteten Hühnerstall, setzten sich auf Abstand bedacht  in einem so großen Rund zusammen wie es die Wände des Stalls erlauben und der Austausch der Tagesereignisse beginnt. Die Alten, der vielen Reden müde, setzten sich in majestätischer Haltung auf  die Reste der etwas abseits liegenden Strohballen. Sie genießen das Zusammensein wortlos, erinnern sich an vollbrachte Heldentaten und viele Streiche, die die Jungen ihnen niemals zugetraut hätten. Aber sie schweigen, wissen sie doch das Taten aus vergangener Zeit die Jugend wenig interessiert. Ihr Leben steht jetzt im Mittelpunkt. Lenin, seit Minous Verschwinden  mein allerbester Kumpel, gesellt sich zu mir. Es gibt Tage, da kann ich seine Anwesenheit nur schwer ertragen, obwohl ich ihn gern habe und seine Art sehr schätze. Aber er kam ins Haus, weil Minou verloren ging...
 Natürlich versuche ich die negativen Gefühle zu verbergen, aber Lenin ist sehr feinfühlig und erkennt meine Stimmung sofort und dann zieht er sich traurig in sich selbst zurück. Heute geht es mir gut und Lenin ist entspannt und glücklich. Er lebte in seinem ersten Lebensjahr mit neun anderen Katzen bei einer sehr alten Dame. Sie wurde krank und es blieb keine Hoffnung auf Genesung und ihre Kinder kamen aus der Ferne und brachten Lenin und seine Familie in das seit einiger Zeit ständig  überfüllte Tierheim. Sie wurden gut versorgt und fügten sich geduldig in ihr Schicksal. Als Renate meine Trauer über den Verlust meiner kleinen Schwester nicht mehr mit ansehen konnte, sie selber bei meinem Anblick auch immer trauriger wurde und die alten, ach was sage ich, die uralten Katzen Luigi, Kitty und Carlito auch nur weise Sprüche von sich gaben, sagte sie, jetzt ist Schluss mit der Trauer, jetzt fahre ich ins Tierheim,  und sie sah Lenin in die Augen und  spürte, das ist der richtige Kumpel für Enzo. So war es auch und er ist es immer noch. Die kleine alte Kitty ist gestorben, aber das ist eine andere Geschichte und es kamen die wunderschöne Arischa und ihr Halbbruder Dimitri ins Haus. Heute durften die beiden das erste Mal mit uns in die Dunkelheit hinaus.  Mit großen staunenden Augen liefen sie an unserer Seite, tobten, haschten nach Unbekanntem, wollten gar nicht mehr von dem mit Efeu bewachsenen Dach herunter kommen, fielen fast in den Teich. Aber Lenin und ich sind gute Pflegeväter, keinen Augenblick lassen wir sie aus den Augen.
Jetzt sind wir vollzählig versammelt, fast vollzählig muss ich bemerken. Der dicke Bilbo trudelt immer etwas später ein. Er kontrolliert noch diverse Futternäpfe, die die Menschen für die Igel gefüllt haben. Nicht das jetzt jemand etwas Falsches denkt, er kontrolliert sie nur, sein Körperumfang spricht für sich, er hat das nicht nötig, er wird bestens versorgt.
Alle Augen sind auf mich gerichtet, wollte ich doch vom wunderschönen Herbst mit Minou erzählen. Lenin und die Kleinen kennen die Geschichte auch noch nicht und ich überlege, wie ich beginne.
Es war September, wunderschönes Wetter und  Renates Mann packte das Auto, schleppte Koffer, Katzenkörbe, Spielzeug, Blumenstauden, Bambus, und Büsche, alles Ableger aus unserem Garten, ins Auto. Minou und mich verfrachtete er im Reisekorb, und alles wurde im Auto verstaut. Die Alten wollten zu hause bleiben,  Reisen lehnten sie ab. Für Betreuung, Fressen und Streicheleinheiten war gesorgt. Unser Ziel war der Garten, indem One und Two in jeder freien Minute Fußball spielen. Hier begann unsere Freundschaft. Gemeinsam wurde gebuddelt, gegossen, Ball gespielt und traurig kletterten wir nach einer Woche wieder ins Auto, als es nach getaner Arbeit, viel Geschnatter und Gelächter, Sekt trinken, Kuchen essen und  Sahne schlecken, Herzen und Küssen hieß, Abschied zu nehmen, ab nach Hause.
Kommen wir von einer längeren Fahrt zurück führt  Renates Schritt sie zuerst  in den Garten. So auch diesmal. Unseren Reisekorb noch in der Hand, sich hinunter beugend  um ihn abzustellen, fällt ihr Blick auf die Wiese unter den Walnussbaum. Oh Schreck, Minou und ich springen aus dem Korb, den Renate unsanft, aber bereits geöffnet, auf die Erde fallen lässt. Was ist passiert?  Die gesamte Nachbarschaft scheint ihre Regenfässer, Speisskübel und einen Pool auf unserer Wiese abgestellt zu haben. Schnell löst sich  das Rätsel. Der Teich hat ein Loch, die Fische sind in den  Pool umgezogen, die Wasserpflanzen versuchen in den zahlreichen Behältern zu überleben. Das mussten wir begutachten. Wir rannten zum Pool und vorsichtig balancierten wir auf dem dicken Luftring. So nah waren wir den Fischen noch nie. Renate hatte uns von Anfang an unmissverständlich erklärt, sie duldet nicht, wenn wir Tiere töten, ausgenommen Mäuse und Ratten.  Schweren Herzens richten wir uns danach, auch wenn es an manchen Tagen sehr schwer fällt, vor allem dann, wenn wir alleine sind und unsere Taten von niemanden bemerkt werden. Renate trat an den Pool, nahm jeden von uns in eine Hand und aus war der Traum, den Fischen nahe zu sein.
In den nächsten Tagen  verwandelte sich der Garten in ein wunderschönes Chaos und der Teich war nur noch ein großes Loch mit steilen Wänden. Minou und ich waren erst ein paar Monate alt und dieser Trichter riesig und auf Renates Wunsch vergrößerten ein paar nette junge Männer ihn noch und legten Terrassen an, formten und verschönerten die gesamte Ansicht, und unsere Spiellandschaft war vollkommen. Wir jagten uns kreuz und quer, hinauf und herunter und rundherum. Im Flachland geboren und aufgewachsen konnten wir uns jetzt vorstellen, wie schön es sein muss in den Bergen herumzulaufen. Alles machten wir gemeinsam. Selbst der alte Luigi gesellte sich an diesen Sonnentagen zu uns, und wenn er auch nicht mehr soviel tobte, den  herunter kullernden Lehmbrocken lief er auch hinterher. Kitty lag auf ihrem Lieblingstisch und blinzelte uns wohlwollend zu. Immer wieder liefen wir zum Pool, sahen Renates besorgten Blick. Sie fürchtete um Goldorfen, Koi  und Bitterlinge. Zügig sollte die Arbeit voran schreiten, damit vor dem Winter alles schön gemütlich für die Fische wäre. Und eines Tages war es dann soweit. Wir wurden des Teiches verwiesen, freundlich aber bestimmt. In angemessener Entfernung beobachteten wir die starken Jungs, die die riesige Plane mit lautem Hauruck auslegten, sich gegenseitig auf die Schulter klopften und Renate zufrieden lachte. Regenwasser lief ein, Unterwasserpflanzen wurden eingesetzt und die Spannung stieg. Was passiert mit den Fischen. Können wir vielleicht doch einen schnappen, einen ganz kleinen? Ihr könnt es euch denken. Wie geschickt wir es auch anstellten, Renate ließ sich nicht ablenken. Minou veranstaltete die größten Faxen, stellte sich auf die Hinterbeine, imitierte ein Erdmännchen, verfolgte auf dem Rand des Pools einen Marienkäfer, zeigte kein Interesse für die Fische. Pirouetten drehend tanzten wir zu den  Fässern, knabberten an Gräsern, folgten springend  einem weißen Schmetterling. Renate amüsierte sich über unsere Mätzchen,  durchschaute sie aber. Sorgsam nahm sie die Fische aus dem  Pool, in dem nur noch wenig Wasser war und ließ uns erst aus den Augen  als der letzte Fisch umgesetzt war. Erschöpft aber zufrieden nahm sie uns auf den Arm, stellte sich an den Teich und wir schauten gemeinsam den dicken Goldorfen zu, die aufgeregt ihre Bahnen zogen. Endlich wieder Platz, riefen sie. Aber das verstanden nur  Minou und ich. Stolz erzählten wir allen im Garten lebenden Tieren, die Fische haben die Aktion unbeschadet überlebt. Seite an Seite saßen wir von nun an jedem Abend am Wasser, beobachteten die Fische, sahen den Wasserläufern zu, und grübelten, wie sie es schafften ohne Hilfe über das Wasser zu laufen. Wir versuchten das auch, immer wieder, wir wollten nicht glauben, dass diese kleinen Käfer etwas können, das uns nicht gelang. Aber unsere Versuche scheiterten kläglich. Immer wieder versanken wir im Wasser, schwammen jedes mal aufs Neue erschrocken ans Ufer, beobachteten weitere Stunden, ja Tage, die kleinen Tiere und ergründeten ihr Geheimnis nicht. Nachdem wir dann noch einige missglückte Laufversuche auf dem Wasser unternahmen, den im Zickzack-Kurs fliegenden Libellen hinterher sprangen und dabei auch im Wasser landeten, und zu unserer Schmach jedesmal  in ein Badetuch gewickelt wurden, gaben wir auf und achteten auf einen angemessenen Abstand zu allen am und im Wasser lebenden Tieren. Nichts sollte uns mehr locken.
Wenn Minou und ich aus lauter Neugier und Übermut ins Regenfass fielen, Renate uns trocken rubbelte und tröstende Worte sprach, das konnten wir genießen. Das tat gut. Aber nach einem wohl überlegten Versuch, der dann kläglich scheiterte, lachend  in ein Handtuch gewickelt zu werden, das war zu viel, das war gegen die Katzenehre. Da waren Minou und ich einer Meinung.


In diesen Tagen der Ausgelassenheit dachten wir gar nicht mehr an unser Geburtshaus zurück, an unsere zarte kleine Mama, die mit vier Kindern vollkommen überfordert war und die Hilfe der anderen Katzen mit freundlichem Schnurren entgegen nahm. Unseren Vater kannten wir kaum. Eines Tages, wir waren erst wenige Tage alt, schlich er sich einfach davon. Erst befürchteten Nachbarn und Freunde, er wäre überfahren worden. Unsere Straße war ruhig, nur ab und zu brauste ein Auto vorbei und dass erhöhte die Gefahr für die Tiere. Über ihre vielseitigen Beschäftigungen vergaßen sie immer wieder die mahnenden Worte der Menschen und meinen Vater hielten sie zwar für ausgesprochen  schön, im silbergrauen Fell und mit geschmeidigem Gang verzauberte er alle Frauenherzen, aber er galt als besonders zerstreut, vergaß er
doch immer wieder, dass die Arbeitsplatten der Küche und der Eßzimmertisch keine Schlafplätze waren.
Aber alle hatten sich getäuscht. Er wurde ein paar Straßen weiter, da wo die neue Wohnsiedlung entstand, in einem der bereits bezogenen Häuser gesehen, sonnte sich frei aller Verantwortung in der Bewunderung der Spaziergänger.  Wir vermissten ihn nicht, so viele Kinder, Hunde, Katzen tobten auf unserer Wiese herum und bald wurden Minou und ich auch schon zu Renate und ihrer Familie geholt. Aber das habe ich ja schon erzählt.
Heute wollte ich doch von unserem Freund Aljoscha erzählen, der meistens irgendwo in Afrika unterwegs ist und nur wenig Zeit in unserem eiskalten Deutschland verbringt. Aljoscha erzählt uns immer wieder wunderschöne Geschichten von den Menschen in Afrika, deren Haut oft so schwarz ist wie mein Fell, von Tieren und Pflanzen, deren Namen ich immer wieder vergesse. Von der Wärme, nicht nur der Sonne, sondern auch der Menschen untereinander, und von den furchtbaren Kriegen, der Armut und den vielen Krankheiten und das Elend, das damit begann, dass weiße Menschen über diesen Kontinent herfielen, Dörfer zerstörten, die Einwohner verschleppten und zu ihren Sklaven machten. Das ist nun schon viele Jahre her, aber immer noch werden Afrikas Völker ausgebeutet, ihrer Bodenschätze beraubt. Mit welchem Recht sahen die Eindringlinge auf die afrikanischen Kulturen herab.  Nur weil sich niemand die Mühe machte, sie zu verstehen sich selber als Gottes Krönung der Schöpfung verstand,  und Toleranz völlig unbekannt war, raubte man den Bewohnern eines ganzen Kontinents die Wurzeln und ihre Würde.
Bevor Aljoscha zu traurig wird, erzählt er von der wunderschönen Musik, die er dort kennen gelernt hat und wie er mit seinen Freunden gemeinsam musiziert.
Oft hören wir monatelang nichts von ihm und wenn er sich wieder einmal meldet, ist die Freude besonders groß. Vor gar nicht langer Zeit war er in Deutschland und sah Renate beim Schreiben über die Schulter, war begeistert von der Möglichkeit das Geschriebene im Internet vielen Menschen zum Lesen zur Verfügung zu stellen und schrieb auch. Es dauerte nicht lange und er wurde wieder nach Afrika gerufen, nach Tansania. Das ist ein ganz besonders armes Land. Selbst in der Hauptstadt fällt mehrmals am Tag der Strom aus, Internetverbindungen sind selten stabil.
Vor seiner Abreise bat er mich  einen Text den er auf Renates Computer geschrieben hat zu veröffentlichen. Leider handelt er nicht von Afrika, aber er versprach, ist er wieder einmal hier, wird er von den Menschen in Afrika erzählen.



Von unserem Freund Aljoscha
Gedanken eines unbedeutenden Mannes
Seit er das erste mal sein Bild im Spiegel wahrnahm, vielleicht mit zwei oder drei Jahren, und sich erkannte, wusste er, er würde es schwer haben im Leben.Umgeben von schönen Menschen konnte er die Unzulänglichkeiten seines Äußeren nicht in die hinterste Schublade seines Gehirn verstauen. Die Gedanken daran kamen immer wieder hervor. Oft zweifelte er, dass eine Eltern und Geschwister den äußerlichen Unterschied bemerkten. Hatten sie sich an sein rundes pausbäckiges Gesicht mit den zu kleinen Augen gewöhnt? Mit zwanzig Jahren sah er immer noch aus wie ein kleiner Junge. Da half auch seine Körpergröße nicht. Trotzdem erfüllte es ihn mit Stolz zu dieser Familie zu gehören, denn sie waren nicht nur schön anzusehen, heiter und liebevoll gingen sie miteinander um. Seine älteren Brüder brachten schon früh ihre Freundinnen mit nach Hause und auch sie behandelten ihn nie wie einen Außenseiter, obwohl er sich doch oft so fühlte.
Niemals hätte er mit jemanden über diese Last gesprochen. Er befürchtete, ausgelacht zu werden. Kannte er doch aus vielen Gesprächen, oft nächtelang geführt, die Einstellung seiner Lieben. Zu oft hatten sie die Hoffnung formuliert, das Volk würde sich wieder seines Seins als Mensch besinnen, füreinander da sein, nicht nur in Sonntagsreden die Würde des anderen achten  und sich endlich nicht mehr von Industrien verführen lassen, Gedanken, Zeit und Kraft nur dazu einzusetzen, die in Glanzprospekten angebotenen Waren besitzen zu müssen, in der Hoffnung, endlich glücklich zu sein.
Er war seinen Eltern dankbar, dass sie ihm schon in frühen Kindertagen die Möglichkeit gaben zu erkennen, nicht der Name des Designer auf dem Shirt ist wichtig, sondern wie der Mensch handelt, der in dem Shirt steckt. Und er lernte früh, auch über die Qualität des Produkts sagt der Name nicht unbedingt etwas aus. Sein Leben war ein gutes Leben, wären da nur nicht diese immer wieder kehrenden negativen Gedanken zu seinem Äußeren. Aber egal welche Zeitung er aufschlug, welchen Fernsehsender er einstellte, überall verkündeten die stillen Botschaften, schön musst du sein, um im Leben etwas zu erreichen. Einmal zuckte ihm der Gedanke durch den Kopf zu einem Schönheitschirurg zu gehen, seine Pausbacken etwas weniger füllig gestalten zu lassen, aber er verwarf das schnell. Operationen kannte er nicht, und das war gut so. Das wollte er dann doch nicht freiwillig ändern. Wenn die Last ihm allzu schwer auf dem Herzen lag ging er in den Keller, setzte sich an sein Schlagzeug und trommelte los. Waren seine Brüder und Freunde im Haus gesellten sie sich dazu, griffen nach ihren Instrumenten und fügten sich mühelos mit ihren Harmonien in seinen Rhythmus ein. Manchmal dachte er, würde einer aus seiner Familie nur ahnen welche Sorgen ihn beschäftigten, sie würden mit ihm reden und reden bis er ihnen glaubte, er, der lange dünne Kerl ist ein liebenswerter Mensch, bei dessen Anblick seinem Gegenüber das Herz aufgehen muss.
Heute war ein besonderer Tag. Im Haus hatten sich viele Menschen versammelt eine Hochzeit zu feiern. Er freute sich mit dem Brautpaar. Alles war perfekt, die Gäste gut untergebracht, der Garten mit zahlreichen Lichtern ausgeschmückt, das Essen mit Hilfe der Nachbarn vorbereitet. Leicht wurde es ihm ums Herz und er spürte, das würde ein guter Tag. Heiterkeit und erwartungsvolle Vorfreude füllte das Haus und am Abend würde er zusammen mit seinen Freunden zum Tanz aufspielen. Lächelnd verließ er sein Zimmer und gesellte sich zu den Gästen.